Einführung in die Kräuterkunde - Teil 1


In Mesopotamien liegt die Wiege der ersten Hochkulturen , Sumerer, Assyrer und Babylonier. Dank ihrer Keilschriften sind die ersten Zeugnisse der Anwendung von Heilkräutern bekannt. Die Assyrer verwendeten schon hautsächlich pflanzliche Substanzen, so zum Beispiel bei Erkrankungen der Atemwege Seifenkraut, Thymian und Kresse. Schon vor 1.000 Jahre v.u.Z. wurden die Inhaltsstoffe mittels Trägersubstanzen verabreicht, z.B. Öle und Feinbier.

Um ein Verständnis für diese Zeit zu erreichen mache ich einen Sprung ins alte Ägypten und versuche das Spannungsfeld zwischen Gott und Mensch, sowie seiner Partnerschaft zu erklären. Die Kultreligion im Alten Ägypten ist sehr vielschichtig und lässt ich eigentlich nicht so kurz zusammenfassen. Wer unbedingt mehr dazu wissen möchte sollte das Buch von Siegfried Morenz "Gott und Mensch im alten Ägypten" lesen , aus dem ich jetzt einiges zitiere. Elemente dieser Entwicklungsgeschichte wiederholt sich in den folgenden Zeitabschnitten und soll zeigen, dass nicht nur der Hellenismus im Griechenland sondern schon wesentlich früher gesellschaftspolitische Linien sichtbar waren. Es zeugt von Aufstieg und Fall von Hochkulturen, der Spannung zwischen Religion und Mythos.

Die "Frömmigkeit als persönliche Wendung an Gott führt oft genug zum Tempel. Sie tut es fast mit einer inneren Notwendigkeit, wo man die Gottheit wegen der Aufklärung dunkler Angelegenheiten befragt und sie vor allem um Entscheidung in Rechtsfällen angeht. Denn solche Anliegen, die zwar jeweils persönlicher Natur sind, haben doch zu einer regelrechten Institution geführt, und die war mit Tempel und Priester verbunden. Wir nennen sie, wie vielerorts auf Erden, das Orakel. ... Dem Orakel gesellt sich eine Erscheinung bei, die auf dem ersten Blick nichts mit ihm zu tun haben scheint; der Glaube an Heilgötter ... wobei man an den Mythen anknüpfen konnte, die von Ärzten der Götterwelt erzählten - mussten doch vor allem die beschädigten Himmelsaugen von Sonne und Mond geheilt werden. Auf diesem Gebiet traten heroisierte, das heißt durch ihre Lebensleistung und die Gunst der Überlieferung ausgezeichnete Menschen an die Seite der Götter." Hier kann ich mir natürlich nicht verkneifen den Spruch, den heute alle kennen, die Götter in Weiß. "Vor allem der als Staatsmann, Hohepriester und Ingenieur berühmte und als Weiser geachtete Imothep aus der Zeit Zosers gewann über Jahrhunderte hinweg später den Ruf eines helfenden Arztes. Der König aber, der sich ja in menschlicher Bedürftigkeit selbst an die Heilgottheit hatte wenden müssen, fand anderseits im Volksglauben bis in die römische Kaiserzeit hinab Eingang in die Reihe der Heilheroen. ...die Medizin der Ägypter zu allen Zeiten mit den Mitteln von beschwörenden Sprüchen gearbeitet hat, die ihrerseits auf Götter zurückgeführt. ja Göttern in den Mund gelegt werden, so dass man diese also auch als Heilgötter bezeichnen können. Aber es ist ein tiefer und ungemein bezeichnender Unterschied, der die pseudomedizinischen Rituale, mit deren Hilfe der Mensch die Krankheit auf den Leib rücken wollte, von den Gebeten und sogar Wallfahrten zu den Heilgöttern trennt, von den man Hilfe erfleht. Wir dürfen sagen, das eine sei auf den Bereich der Medizin angewandter Ritualismus, das andere Glaube an Gottes Walten. ...das eine steht im magischen, das andere im gläubigen Pol der großen Lebensmacht Religion. Damit werden die Heilgötter an ihrem Teile zu Zeugen für den Lauf ägyptischer Religionsgeschichte, die auf persönliche Frömmigkeit als demütige Haltung hinführt. Freilich werden sie zusammen mit dem Orakel auch zum Zeugen dafür, dass der transzendente Gott dem Menschen Tätigkeitsfelder entreißt oder verkleinert, auf denen er zufuhr eigene Fähigkeiten erprobt hatte. Wo Gott zu tun beginnt, was einst Arzt und Richter taten, da wird nicht nur Frömmigkeit, es wird auch ein Niedergang kulturellen Lebens in Heilkunde und Rechtspflege sichtbar."

Da die Untersuchungen und wissenschaftlichen Auswertungen der archäologischen Funde in den Grabstätten der Pharaonen vieles zu Tage gebracht haben, gibt es dennoch einige Lücken über die Ärzteschaft und deren Arbeitsweisen. Dennoch ist es interessant, das von den Totentexten im selbem Atemzug von Hexentexten gesprochen wird. Dieser "Schatz ägyptischer Zaubertechniken" ist "in das große Becken der griechischen Weltkultur eingemündet und" hat "sich tief in die christliche Zeit hinein gehalten. So kennen wir einerseits Zauberpapyri in griechischer Sprache mit ägyptischer Substanz, andererseits Texte ähnlicher Art in der mit griechischen Buchstaben geschriebenen ägyptischer Sprache christlicher Zeit....Die Überlieferung solcher ägyptischer Künste geht dann bis in unseren eigenen Kulturbereich hinein; unter den Sammlungen deutscher Zauberbücher findet sich eines mit dem Titel "Ägyptische Geheimnisse". Unter diesen Umständen erscheint es nicht verwunderlich, dass der Ägypter selbst den Geist des alten Zaubers und manche seiner Formen noch heutigentags und vor unseren Augen am Leben erhält."

Die wohl wichtigste Hinterlassenschaft ist das aus dem Jahr 1517 v. Chr. stammende "Ebers Papyrus". Dies enthält immerhin 879 Rezepturen und ist eine Schriftrolle von einer Länge von 18 Meter.

Die abendländliche Medizinrichtung ist schon erläuert worden und deshalb geht es im nächsten Teil zu den indischen und arabische Quellen.

 

 
 

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