Kurze Geschichte der Naturheilkunde bzw. der abendländischen Medizin Teil 1


Die Geschichte der Naturheilkunde lässt sich nicht so einfach definieren, weil der Ursprung und seine Auslegung nicht genau definieren lässt. Wenn man genauer hinschaut wird man feststelle, das oft Naturheilkunde aus der Medizin von alten Hochkulturen abgeleitet wird. Den Ursprung dürfte wohl schon von den Urmenschen Homo erectus 750.000-250.000 Jahre vor unserer Zeit gelegt worden sein. Mit der Entstehung des Altmenschen Homo sapiens neanderthalensis, der in einer kurzen erdgeschichtlichen Periode vorkam, sind archäologische Funde bekannt, die darauf hinweisen, das verletzte Hordenmitglieder in der Gemeinschaft gepflegt worden sind und überlebten. Aber mit der Entstehung des Jetztmenschen, Homo sapiens sapiens, ca. 45.000 Jahre v. u. Z. beginnt eigentlich unserer kurzer Abriss der Geschichte.

Die ersten komplizierten medizinischen Operationen lassen sich an Hand der Trepanationen (Schädelöffnungen) nachweisen. Die älteste stammt von den Cro-Magnon-Menschen 42.000 Jahre v.u.Z. und diese Methode ist auch in China, Peru und Afrika bekannt. Dabei müssen Mittel zur Blutstillung, Desinfektion, Betäubung und Wundheilung bekannt gewesen sein. Was erstaunlich ist, das ca. 70% der Menschen überlebt haben müssen und das dieses Wissen einfach zwischenzeitlich verloren gegangen ist. Der "Schamanismus" konnte bei jungpaläolithischen Darstellungen festgestellt werden. Erste Zeugnisse dürften die Darstellung im "Schacht des Toten Mannes" der Höhle von Lascaux und der "Zauberer" von Les Trois Frères sein.

Wenn es darum geht, wer den nun den Anspruch auf die älteste Gesundheitslehre hat, müssen wir die ersten Hochkulturen in der späteren Bronzezeit benennen, dies sind einerseits die erste Ur-Dynastie der Sumer, die erste und zwote Dynastie im alten Ägypten und die Induskultur ca. 3.000 v.u.Z. Dies wird besonders in der Architektur und dem Stadtaufbau sichtbar, wo die Hygiene eine wichtige Rolle spielte und Abwasserkanäle eine Selbstverständlichkeit waren. Hier fällt auch die Herausbildung von primitiven Gedächtnishilfen (Tonmarken) auf. Die ältesten Zeugnisse stammen aus der Schicht IVa von Urk (um 3100 v.u.Z.) Gerade diese schriftlichen Zeugnisse lassen uns einen Einblick in die damalige Geschichte geben. Der wohl wichtigste Sprung war der Übergang in die Eisenzeit ca. 1000 v.u.Z. . Aus dieser Zeit stammen die ersten wichtigen Schriften und zwar aus fast allen Kulturkreisen. Was aber von der modernen Medizin immer belächelt wird, ist die gleichzeitige Anwendung von magischen Ritualen und Beschwörungen ohne dabei zu erkennen, das einige Krankheiten als Ursache auch psysisch-seelische Komponenten haben. Beschrieben werden besonders die Anwendungen von Kräutern und Mineralen bei Erkrankungen der Atemwege, der Verdauung und des Kopfes zum Beispiel (siehe die Ausführungen zu den altägyptischen Kulturkreis).

Die Griechen werden als Begründer der abendländischen Medizin benannt. Sie beruht jedoch auf den Erfahrungen der Heilkunst der Völker des Vorderen Orients. Dabei spielen die Texte der Homerischen Epen (8.Jh.v.u.Z.) eine wichtige Rolle. Das medizinische Wissen wurde aber immer noch vom Vater zum Sohne weitergegeben. Das damalige Wissen beinhaltete das Entfernen von Pfeil- und Sperrspitzen, Anlegen von Verbänden, Blutstillen, Einsatz erste Medikamente und medizinische Waschungen. In der jüngeren Odyssee werden erste Berufsärzte erwähnt und die Tempelmedizin entstand. Der Aufenthalt der Patienten im Tempelbezirk war durch strenge hygienische (z.B. Waschungen und Salbungen) und kultische Vorschriften geregelt. Die Behandlung erfolgte durch Inkubation, dem sogenannten Tempelschlaf, wo der Patient die entsprechenden Ratschläge durch die Götter erteilt bekommen. Neben dieser medizinische Versorgung bestand aber in der Antike auch in den Schichten der armen Bevölkerung abergläubig magische Praktiken durch Austreibung, Beschwörung und Amulette. Weiterhin gab es auch die so genannte Dreckapotheke (Behandlung mit tierische und menschliche Exkrementen). Im 7./6. Jahrhundert entwickelten sich die ersten freie Ärzte und diese schufen auf der Grundlage der ionischen Naturphilosophie die erste wissenschaftliche Medizin. Hippokrates von Kos (460-370 v.u.Z.) war einer der bedeutendsten Ärzte der Antike und schuf durch die "Corpus Hippocraticium" ein 58 bändiges Werk der damaligen unterschiedlichen medizinischen Schulen. Wesentlich ist, das hier die Krankheit durch erklärbare Ursachen beschrieben wird. Die Gesundheit beruhte der hippokratischen Lehre auf die richtige Mischung der vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelber und schwarzer Galle und die Aufgabe bestand darin, im Krankheitsfall den Organismus zur Herstellung der Gesundheit (Physis) unter Beobachtung am Krankenbett die individuelle Physis durch diätische und naturheilkundliche Verordnungen wertvolle Hilfe (Prognostikon) zu leisten. Chirurgische Eingriffe beschränken sich im wesentlichen auf die Knochenchirurgie. Die anatomischen Studien der alexandrinischen Ärzte Herophilos und Erasistratos aus den 3.Jht.v.u.Z. schufen die Grundlagen über den Bau des Körpers und seine Organe. Unterschiedliche philosophische Strömungen brachten auch unterschiedliche Ärzteschulen hervor. Mit dem Niedergang der griechischen Polis zeichnete sich die neue Macht der Römer ab, obwohl diese am Anfang noch sehr konservativ waren. Als 219 v.u.Z. der erste griechische Arzt Archagathos in Rom ankam, wurde er schnell mit dem Titel "carnifex", der "Henker", belegt. Es dominierte noch die religiöse-magische Medizin. Asklepiades aus Prusa in Bithynien (124-56 v.u.Z.) bereitete durch seine Lehre, das sich die griechische Medizin im Römischen Reich durchsetzte und Caesars Edikt aus dem Jahre 46 v.u.Z. ermöglichte den fremden Ärzten durch den Erwerb des römischen Bürgerrechts tätig werden konnten. Durch diese Förderung entstanden verschiedene medizinische Schulen. Themison aus Laodikeia, ein Schüler von Asklepiades, begründete die "methodische" Ärzteschule, die sich auf die Behandlung von festen Bestandteilen des Körpers konzentrierten. Daneben gab es auch die "pneumatische" Schule, die von Athenaios aus Attaleia (um 50v.uZ.) gegründet wurde und auf der stoischen Lehre von Pneuma aufbaute und für diätische und physiotherapeutische Maßnahmen stand. Gerade die Auseinandersetzung der einzelnen Schulen führte im 1.Jht. unserer Zeit zu einer letzten Blüte der antiken Medizin. Stellvertretend für viele anderen Namen steht das Werk von Galen von Pergamon (129-199). Er fasste mit einer Bibliographie von 153 Titeln das gesamte medizinische Wissen seit Hippokrates zusammen. Dies stellt der Höhepunkt dar, ohne die Leistung der Ärzte der folgenden Jahrhunderte (z.B. Aetios und Alexander von Tralleis) zu schmälern. Bei diesen nimmt die praktische Anwendung der Medizin, die Therapie den größten Raum ein. Das Interesse an den wissenschaftlichen Grundlagen ging zurück und der Aberglaube und die Magie traten wieder stärker hervor. Ihrem Abschluß fand die römische Medizin mit Anthimus (6.Jht.) mit einem diätischen Brief an den Frankenkönig Theoderich, mit genauer Beschreibung des richtigen Gebrauchs von verschiedenen Nahrungsmittel. Da viele Texte nicht in das Lateinische übersetzt worden sind, ging dieses Wissen in Westeuropa relativ unter (siehe die Ausführungen zu der Klosterheilkunde).

 
 

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