Eigene Erfahrung mit der Schuppenflechte


Als im Alter von zehn Jahren auf meinen Kopf vermehrt, eher schaufelweise Schuppen auftraten, ließ sich der Gang zu einem Hautarzt nicht mehr umgehen. Es war ein erfahrener alter Herr, die Diagnose war schnell gestellt, Psoriasis vulgaris. Psoriasis, immer diese Fachbegriffe der Ärzte, welch Äquivalent gibt es den im Deutschen, aha Schuppenflechte, scheint ein Pilz oder so was zu sein, ein bisschen Tinktur und das Ding ist weg. Aber es begann für mich ein langer langer Weg mit einer Hautkrankheit, die aus der heutigen Sicht der modernen Medizin, nicht heilbar ist. Das Wissen darüber ist nach fünfunddreisig Jahren gemeinsamer Wegstrecke gewachsen und der Umgang damit mußte erst einmal erlernt werden. Vom Gegner, der bekämpft werden muss, zum Partner, der besonder viel Pflege braucht, es ist ja meine Haut, hat es viele Jahre gebraucht. Vieles wurde probiert, manches verworfen, Erfahrungen gesammelt und Vergleiche angestellt, mit betroffenen Leuten gesprochen, zwischen fast erscheinungsfrei und blühender Haut, zwischen Freude und Frust und immer auf der Suche nach dem Mittel, was einfach zu handhaben ist und die Haut auch wirklich heilt. Meine Ansprüche wurden manchmal viel zu hoch geschraubt, keine Nebenwirkung auf irgend ein anderes Organ und ... und ... und. Ich gebe es ja zu, es war nicht leicht für manchen Hautarzt, meinen provokanten und bohrenden Fragen auszuweichen. Obwohl ich die Psoriasis heute relativ, was die Gesamtheit der befallenen Flächen angeht, im Griff habe, sind einige Stellen, die sichtbar sind, besonders die im Gesicht, doch schon mal etwas lästig. Gegenüber den schonungslos offenen Fragen der Kinder und den verachtenden Blicken anderen Mitmenschen bin ich nicht mehr so hilflos ausgeliefert und versuche durch ruhige, sachliche Antwort, die Angst der Menschen, auch wenn sie unbegründet sind, zu nehmen. In einer Gesellschaft wo der Schönheitswahn regiert, ist dies nicht leicht.

Meine Erfahrungen darüber sind einigen bestimmt nicht neu, dennoch will ich sie hier darstellen. Ich habe aber so meine Befürchtung, es könnte zu den Memorialen ausarten.

Die ersten Medikamente die ich kennen gelernt habe waren Teersalben und Spritzen von Vitaminpräparate. Jede Woche zwo Spritzen und die Nadel konnte an einigen Tagen schon mal leicht stumpf sein, jedenfalls diese Methode ging nicht lange, die Einstichstellen im linken wie im rechten Arm gingen einfach aus und zum ersten mal schloss ich Bekanntschaft mit dem Köbner-Effekt. Kurz danach folgten Ölpackungen für den Kopf, die 24 Stunden drauf bleiben und um nicht die Bettwäsche und die Klamotten zu verschmutzen, mit einer Badekappe abgedeckt werden mußten. Wie ich ausgesehen habe, dies will ich nicht beschreiben. Es war eine Qual und wenn die Nachbarskinder am Wochenende gespielt haben, sass ich in der Stube und konnte nichts unternehmen, geschweige denn, sich zeigen. Die Produkte hatten wirklich den Nachteil, dass sie gewaltige Spuren in der Wäsche hinterlassen hatten und der Erfolg sich auch nicht so richtig einstellte, es meinen Eltern auch einfach zu viel wurde, den emersen Aufwand durchzustehen und was logischer Weise daraus folgte, der erste Abbruch einer Behandlungsmethode. Wobei bei der Beseitigung der Ölkopfpackung ein Kopfwaschmittel in Eigenbau sich in der Familie durchsetzte, Wofacutan mit einem Eigelb und einem Schluck Bier vermischt. Dies war eher der anfallenden Menge zu zuschreiben, aber es war nicht schlecht oder besser, es war sehr gut. Bald folgte die Lichttherapie auf UVB Basis. Dies war Ambulant und konnte einfacher gehandhabt werden, was auch später zur Anschaffung einer eigenen Hochdruckquecksilberlampe führte. Dennoch muß ich sagen, dass ich die Kindheit sehr gut in Erinnerung habe und die Krankheit sich nicht so stark in mein Gedächtnis eingegraben hat. Wir als Gruppe haben viel im Wald und Wiesenflur gespielt und getollt, Mist verzapft und sonst was angestellt. Dabei sind die ersten Erfahrungen mit der volkstümlichen Heilkunde bewusst oder unbewusst gesammelt worden. Verletzungen wurden mit Blättern vom Wegerich abgedeckt, Verbrennungen sind mit dem Finger im Weizenmehl gelindert worden, Schöllkraut (Chelidonium majus) zur Behandlung und Vernichtung von Warzen angewandt worden, ohne dabei zu wissen, dass dieses Kraut bei Einnahme zum Tod im Kreislaufkollaps führen kann. Auch die Haut machte in den blühenden Wiesen die Bekanntschaft mit den Kräutern und manchmal juckte die Haut auch richtig, besonders wenn man im hohen Gras sich an die Erdbeerfelder heranschlich. Einiges stammt von meiner Oma und andererseits auch von meinen Eltern, die auf meinen Wunsch auch mal die Küche der Notzeit nach dem Krieg gekocht haben. So sind Sauerampfer, Brennnessel und andere Kräuter keine unbekannten.

Dies änderte sich so mit 17. Die Zeit der Tanzschuppen begann (Disco kam gerade erst auf) und da wurde die Schuppenflechte schon zu einer Belastung. Sie war nicht zu verstecken, sie war am Kopf sichtbar und damit begann ein Lernprozess mit abwertenden Meinung umgehen zu müssen. Man begann sich für sein Psoriasis zu schämen. Es erfolgte manchmal ein Rückzug in die innere Migration und es entstand eine Hilflosigkeit gegenüber fremden Menschen, obwohl sie für die eigene Clique kein Problem war.

Auch neue Behandlungsmethoden standen an, Salizylsäure-Präparate waren gerade angesagt und die Schmiererei ging weiter. Dabei begannen die ersten Erfahrungen mit dem Abheilen der Stellen und zwar immer von der Mitte aus. Nachteil der ganzen Geschichte ist, das der Rand anfing zu wandern und von Schub zu Schub die Psoriasis sich immer weiter ausbreitete. Und Spannungen gab es zu Hause auch, die Schuppenspur war ja nicht zu übersehen. Dies führte zum ersten Tiefpunkt.

Mit Hilfe einer Krankenschwester begann dann zum ersten mal eine richtige Suche nach alternativen. Alte Bücher wurden gewälzt, Kneip, Platen, Dr. Sturm und andere studiert und versucht brauchbares zu finden und dann die entsprechenden Mittel auszusuchen. Die Schuppenflechte mit einem Brennglas raus zu brennen, fiel natürlich dabei raus. Dennoch fanden sich einige Grundstoffe und es begann die Auswahl der Produkte, das Sedative, eigentlich für die Mundbehandlung, wurde für die Linderung des Juckreizes und der Reduzierung der Entzündung der Stellen ausgewählt. Die Tinktur ist noch heute bei mir ein Nothilfsmittel für akuten Fällen. Ebenfalls wurden Mittelchen für den Magen-Darm-Bereich gesucht und gefunden. Diese hatten den Erfolg, dass ich mich allgemein sehr gut fühlte, nur die Psoriasis reagierte darauf nicht. Von meinem neuen Hautarzt wurde auch eine Diät verordnet und ich bin heute noch den KöchInnen in der Betriebsküche dankbar, dass sie ein Jahr lang, wo ich zwischen Penne und Studium gearbeitet habe, die Mittagsmahlzeiten so hergestellt haben, wie es die Diät vorschrieb, nur geholfen hat sie nicht.

 

........bald geht es hier weiter ......

 

 

 
 

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